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Arbeitskreis Fernerkundung
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ILA-Kolloquium 2006


Landschaft und Klima - Erfassung ihrer Wechselwirkungen mit modernen Fernerkundungstechnologien


In der Landschafts- und Klimaforschung spielen flugzeug- und satellitengestützte Fernerkundungsmethoden bei der Gewinnung und Verarbeitung von Informationen über Landschaftselemente und Ökosystemparameter einschl. deren Veränderungen eine wesentliche Rolle. Dabei stehen insbesondere solche Elemente und Eigen-schaften im Vordergrund, die die Wechselbeziehungen zwischen Landschaft und Klima beschreiben sowie die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Land- schaft und umgekehrt charakterisieren. Dieser Thematik war am 19. Mai 2006 ein Kolloquium im Rahmen des Kongreßprogramms der Internationalen Luft- und Raum- fahrtausstellung ILA 2006 gewidmet, an dem mehr als 50 Personen teilnahmen.

Das Kolloquium wurde gemeinsam vom Arbeitskreis Fernerkundung Berlin-Branden- burg e.V. (AK FE) und der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkun- dung und Geoinformation, Arbeitskreis Interpretation von Fernerkundungsdaten (DGPF, AkInt) veranstaltet. Beide Gremien verfolgen inhaltlich ähnliche Ziele - speziell den Informations- und Erfahrungsaustausch zur Auswertung und Nutzung von Fernerkundungsdaten in Wissenschaft und Praxis.

Die DGPF ist die bedeutendste wissenschaftliche Gesellschaft auf den Gebieten Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformationswesen in Deutschland. Sie arbeitet international erfolgreich im Rahmen der ISPRS. Der AkInt betrachtete das ILA-Kolloquium 2006 als seine diesjährige Frühjahrssitzung.

Der AK FE verfolgt besonders die Interessen der Region Berlin-Brandenburg mit ihrer hohen Konzentration an Einrichtungen und Fachleuten auf dem Arbeits- und Forschungsgebiet Fernerkundung mit dem Ziel, diese regionalen Kompetenzen zu erhalten und weiterzuentwickeln. Dazu tragen regelmäßige wissenschaftliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, u.a. zur Fernerkundung und zur Raumfahrt, sowie fachbezogene Foren und Fachexkursionen bei. Dieser seit 1992 existierende Arbeitskreis (vgl. www.ak-fernerkundung-bb.de) setzte mit der diesmaligen Veran- staltung seine Reihe der seit 1996 regelmäßig stattfindenden ILA-Kolloquien fort.

Die früheren ILA-Kolloquien hatten zumeist regionale Aspekte der Anwendung von Fernerkundungsdaten zum Inhalt, z.B. zu Hochwassermanagement, Verkehrswesen, Umweltmonitoring u.ä. Das ILA-Kolloquium 2006 war erstmalig einer vor allem in globaler Hinsicht interessanten und zudem gegenwärtig außerordentlich aktuellen Problematik gewidmet. Die hohe Aktualität der mit der Thematik des Kolloquiums im Zusammenhang stehenden Fragen ist u.a. erkennbar an der erheblichen Anzahl der allein im letzten halben Jahr stattgefundenen bedeutenden internationalen Kongres- se und publizierten wichtigen Reports und Berichte, u.a. vom BMU, der Europäischen Umweltagentur EEA, des Zwischenstaatlichen UNO-WMO-Ausschusses für Klimafra- gen IPCC, von der Weltklimakonferenz Montreal bzw. der Studien von UBA, PIK, ZALF, UFZ und anderer Einrichtungen.



Das ILA-Kolloquium 2006 behandelte in insgesamt 14 Vorträgen die Beziehungen zwischen den drei Phänomenen Klima, Landschaft und Fernerkundung vor dem Hin- tergrund des fortschreitenden Klimawandels.

In der Einführung zur Veranstaltung betonte K.-H. Marek (AK FE) die Bedeutung und Aktualität dieser Beziehungen in der gegenwärtigen, wichtige gesellschaftliche Berei- che betreffenden Diskussion über Gegenwart und Zukunft unserer Umwelt.

Eine Reihe von Vorträgen war der Darstellung und Analyse von Prozessen und Komponenten des Klimasystems sowie den Problemen und Folgen des Klimawandels gewidmet. So stellte z.B. Th. Voigt (Umweltbundesamt) an Hand ausgewählter Indi- katoren verschiedener ökologischer u.a. Bereiche neueste Erkenntnisse zum aktuel- len Klimawandel in Europa einschl. künftiger, z.T. dramatischer Entwicklungsszenarien vor. F. Kreienbrink u.a. (CEC Potsdam) erläuterten die Entwicklung regionaler Klimaszenarien für Deutschland, T. Erbrecht u.a. (PIK Potsdam) die synergistische Nutzung eines Biosphärenmodells unter dem Aspekt des globalen Wandels.

Es bestätigte sich, das die aktuelle und längst nicht mehr nur wissenschaftliche, sondern bereits gesellschaftlich-praktische Diskussion auf diesem Gebiet vorder- gründig auf den fortschreitenden und ganz wesentlich menschengemachten Klimawandel als dem gegenwärtig größtem Umweltproblem - u.a. mit den extremen Wetterphänomenen und deren Folgen (Elbeflut 2002, Trockenheit im Sommer 2003, 2005 als wärmstes Jahr seit Beginn der systematischen Klimaaufzeichnungen 1861 usw.) - gerichtet ist. Mit der ganzjährigen globalen Erderwärmung und dem Treibhauseffekt sind wesentliche Veränderungen im globalen Klimasystem verbunden, wie Meeresspiegelanstieg, rapide Eisschmelze und globaler Rückgang von Meereisbe- deckung und Gletschern, Verstärkung des Wasserkreislaufs, Häufung extremer Wetterlagen, Veränderungen in der Atmosphäre u.a. Auch künftig wird eine weitere globale Erwärmung (nach IPCC bis 2100 gegenüber 1990 um +1,4 bis 5,8°C) erwar- tet, ebenso Wassermangel und Trockenheit als Auswirkungen der weltweiten Klimaänderungen - speziell auch in unserer brandenburgischen Region.

Auf Grund ihrer begrenzten Anpassungsfähigkeit sind natürliche Systeme für Klimaänderungen besonders anfällig. Veränderungen des Klimas führen zu Veränderungen in der Landschaft, u.a. von Struktur und Funktion mariner und terrestrischer Ökosysteme. Besonders betroffen sind die gesamte Kryosphäre, Flußsysteme, Wälder, landwirtschaftliche Nutzflächen u.a. Der Klimawandel beeinflußt bekanntlich nicht nur ganze Landschaften und die Umwelt, sondern auch die menschliche Versorgung und Gesundheit. Andererseits tragen neben der Verbrennung fossiler Energieträger auch menschliche Eingriffe in die Landschaft, wie Abholzungen von Waldflächen, Veränderungen der Flächennutzung u.ä. zum Klimawandel bei. Da das globale Problem Treibhauseffekt auch lokale Ursachen hat, ist der Klimaschutz ein berechtigter Bestandteil vieler Politikfelder geworden.

Die energetisch-stofflichen Wechselbeziehungen und Zusammenhänge zwischen Klima und Landschaft sowie die Untersuchung von Parametern der Land- und Meeresoberfläche und der Komponenten des Klimasystems, wie Landbedeckung, Vegetationszustand und Wasserhaushalt, waren Gegenstand mehrere Vorträge. Die Grundlage dieser Untersuchungen waren Fernerkundungsdaten der unterschiedlichsten Art: optische, Radar-, Laserscanner- bzw. spektrometrische Daten. So behandelten u.a. M. Wegehenkel und B. Zbell (ZALF) die Anwendung von Fernerkundungsdaten im Landschaftswasserhaushalt, A. Neumann u.a. (DLR Berlin) bei der Ableitung ozeanischer Parameter, C. Schmullius, S. Hese u.a. (Universität Jena) bei der Ableitung von Biosphärenparametern, K. Schulz (UFZ) bei der Erfassung hydrometeorologischer Prozesse, U. Fricke, H. Fuchs u.a. (Universität Göttingen) sowie J. Breiden- bach u.a. (FVA Baden-Würtemberg) bei der Waldinventur und -zustandsanalyse. Vorträge zu Besonderheiten bei der Interpretation von Fernerkundungsaufnahmen (u.a. M.F. Buchroithner u.a./ TU Dresden bei der Gletschererkundung, R. Carls, B. Nitz/HUB bei der Analyse der Morphologie fossiler Flußbetten, G. Meinel/ ÖIR Dres- den bei der Ableitung des städtischen Grünvolumens) sowie zu perspektivischen Ent- wicklungen der Technologie der Datengewinnung (H. Kaufmann u.a./GFZ Potsdam zur Zukunft der spektralen Erdbeobachtung, M.F. Buchroithner u.a./TU Dresden über ein Konzept eines motorisierten Ultraleicht-Fluggerätes) rundeten das Programm thematisch ab.

Das Kolloquium sollte dazu beitragen, die Aufmerksamkeit auf die Einsatzmöglichkeiten der Fernerkundungstechnologie für die Lösung aktueller, sowohl regional wie global relevanter Problemstellungen, wie sie z.B. durch den fortschreitenden Klimawandel entstehen, zu richten und dieselben weiter zu fördern. Es bestätigte an einer Reihe repräsentativer Beispiele die erfolgreiche Anwendbarkeit dieser Technologien bei der Ableitung von Veränderungen der Landschaft, der Ökosysteme, der Bodennutzung, der Vegetationsentwicklung u.ä. als Folgen bzw. im Kontext mit Klimaverän- derungen. Diese Informationen stellen wichtige Grundlagen für Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung dar und können die weitere Entwicklung ganzer Regionen fundamental beeinflussen. Sie tragen ebenfalls zu Erkenntnissen für eine Propagierung notwendiger künftiger staatlicher und international wirksamer Entscheidungen bei, wie z.B. zum Umbau des Weltenergiesystems auf klimaschonende erneuerbare Energien mit reduzierten CO2-Emissionen bzw. zum Verzicht auf fossile Brennstoffe oder zur Anpassung der Bodennutzung, der Vegetation oder ggf. ganzer Ökosysteme an den Klimawandel.

Das Umfeld der Veranstaltung war hervorragend geeignet, zusätzliche Eindrücke vom modernsten internationalen Stand der Luft- und Raumfahrt zu gewinnen.

Die ausführlichen Fassungen der Vorträge des Kolloquiums werden als CD veröffentlicht.

Karl-Heinz Marek


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